Der erste Arbeitstag beginnt vor dem ersten Arbeitstag

Viele Unternehmen atmen auf, sobald der Arbeitsvertrag unterschrieben ist. Die Stelle ist besetzt, das Recruiting abgeschlossen, der Fall erledigt. Doch bis der neue Mitarbeitende tatsächlich am Schreibtisch sitzt, vergehen in der Schweiz oft zwei bis drei Monate. Diese Zeitspanne wird sträflich unterschätzt.
Die sogenannte Preboarding-Phase, also die Zeit zwischen Zusage und erstem Arbeitstag, ist ein blinder Fleck. Der neue Mitarbeitende hat zugesagt, aber er ist noch nicht angekommen. Er ist emotional in der Schwebe, oft noch im alten Job, mitten in der Kündigungsfrist. Und genau in dieser Phase melden sich manchmal die vorherigen Arbeitgeber mit Gegenangeboten oder andere Firmen mit neuen Optionen.
Wer in dieser Zeit schweigt, riskiert mehr, als ihm bewusst ist. Absagen kurz vor Stellenantritt sind kein Randphänomen. Sie kosten das Unternehmen den gesamten Recruiting-Aufwand und werfen den Prozess auf null zurück. Der Grund ist selten das Geld. Häufig ist es das Gefühl, nach der Unterschrift plötzlich unwichtig geworden zu sein.
Dabei braucht es keinen grossen Aufwand, um diese Phase sinnvoll zu gestalten. Ein persönliches Willkommensschreiben, eine kurze Nachricht der künftigen Führungsperson oder eine Einladung zum Teamlunch vor dem offiziellen Start signalisieren: Wir freuen uns auf dich, und wir denken schon jetzt an dich. Kleine Gesten mit grosser Wirkung.
Auch organisatorisch lohnt sich Vorbereitung. Wenn am ersten Tag der Laptop bereitsteht, die Zugänge eingerichtet sind und ein Ansprechpartner klar benannt wurde, entsteht sofort ein Eindruck von Professionalität. Umgekehrt hinterlässt ein chaotischer Start ein ungutes Gefühl, das sich nur schwer wieder korrigieren lässt.
Für Unternehmen bedeutet das ein Umdenken: Onboarding beginnt nicht am ersten Arbeitstag, sondern in dem Moment, in dem die Zusage steht. Wer diese Wochen aktiv nutzt, baut Vertrauen auf, bevor überhaupt die erste Aufgabe erledigt ist. Das reduziert Absprünge und erleichtert den späteren Einstieg spürbar.
Als Personalvermittlung erleben wir immer wieder, wie entscheidend diese unsichtbare Phase ist. Ein guter Prozess endet nicht mit der Vertragsunterschrift, er trägt bis zum ersten Arbeitstag und darüber hinaus. Wer das ernst nimmt, gewinnt nicht nur Mitarbeitende, sondern hält sie auch.
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