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Die Kündigung, die niemand hören will: Warum das Austrittsgespräch Gold wert ist

Die Kündigung, die niemand hören will: Warum das Austrittsgespräch Gold wert ist

Eine Kündigung löst in vielen Unternehmen Betriebsamkeit aus: Nachfolge organisieren, Aufgaben verteilen, Zugänge sperren. Was dabei oft untergeht, ist ein Gespräch, das mehr Wert hat als jede Mitarbeiterbefragung, nämlich das Austrittsgespräch. Wer geht, hat nichts mehr zu verlieren und sagt deshalb häufig Dinge, die intern niemand offen ausgesprochen hätte.

Das Problem: Viele Austrittsgespräche finden gar nicht statt oder verkommen zur Formsache. Man wünscht alles Gute, klärt die letzten Ferientage und geht auseinander. Dabei verpasst das Unternehmen die Chance, echte Muster zu erkennen. Kündigt eine einzelne Person, ist das ein Einzelfall. Kündigen drei Leute innerhalb eines Jahres aus demselben Team mit ähnlicher Begründung, ist das ein Signal, das man nicht ignorieren darf.

Damit ein Austrittsgespräch etwas bringt, muss es ehrlich geführt werden. Das gelingt selten mit der direkten Führungskraft, denn wer über Führungsprobleme sprechen will, tut das ungern mit genau der Person, die gemeint ist. Sinnvoller ist ein neutrales Gegenüber, etwa aus HR oder von aussen. Und es braucht Zeit sowie die glaubwürdige Zusicherung, dass die Aussagen nicht ins Arbeitszeugnis einfliessen.

Die richtigen Fragen entscheiden über den Ertrag. Statt zu fragen, ob es der bessere Lohn war, lohnt es sich zu fragen, wann der Gedanke ans Gehen zum ersten Mal aufkam. Die Antwort liegt oft Monate zurück und zeigt, an welchem Punkt die Bindung gerissen ist. Ebenso aufschlussreich ist die Frage, was das Unternehmen hätte tun müssen, um die Person zu halten.

Wichtig ist, was danach passiert. Ein Austrittsgespräch, dessen Erkenntnisse in einer Schublade verschwinden, ist verschwendete Zeit. Die Muster gehören ausgewertet, mit anderen Fällen verglichen und, wo nötig, in konkrete Massnahmen übersetzt. Nur so wird aus einem Rückblick ein Werkzeug für die Zukunft.

Ein Nebeneffekt wird häufig unterschätzt: Wer im Guten geht und sich beim Austritt fair behandelt fühlt, bleibt dem Unternehmen wohlgesonnen. Ehemalige empfehlen Arbeitgeber weiter, kommen manchmal Jahre später zurück oder werden zu Kundinnen und Kunden. Ein sauber geführter Abschied ist damit auch Teil des Employer Brandings.

Eine Kündigung ist kein Scheitern, sondern gehört zum Arbeitsleben. Wer sie als Endpunkt behandelt, verliert wertvolles Wissen. Wer sie als letzte Gelegenheit zum ehrlichen Austausch nutzt, gewinnt Erkenntnisse, die bleibende Mitarbeitende selten so offen liefern.

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